Antimilitaristische Opposition und Wiederbewaffnung in Westdeutschland 1945 – 1955
Der lange Atem, Filmveranstaltung mit dem Regisseur
BRD 1981, Buch, Regie: Christoph Boekel, Beate Rose, 95 Min.
Das wache Bewusstsein über die Verheerungen des Zweiten Weltkrieges führte dazu, dass das 1949 verabschiedete Grundgesetz unter anderem den Wiederaufbau einer deutschen Armee und Rüstungsproduktion untersagte. Kanzlerkandidat Adenauer (CDU) bekannte sich noch 1950 öffentlich zum NEIN gegen alle Wiederbewaffnungspläne, um gewählt zu werden. Doch in den 1950er Jahren wurde die Wiederbewaffnung Westdeutschlands gegen den Willen der großen Mehrheit der Bevölkerung durchgesetzt. Und 1956 wurde die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Mittels Lügen und undemokratischen Methoden wurde der Plan der Regierung für eine Bundeswehr realisiert.
Im Mittelpunkt von „Der lange Atem“ stehen die Berichte des Remilitarisierungsgegners Oskar Neumann, der während der Nazizeit im Konzentrationslager eingesperrt gewesen war.
Wochenschauausschnitte, Fotos und Tonaufnahmen führen zurück in die Atmosphäre der 50er Jahre und die Antimilitaristische Opposition und Wiederbewaffnung in Westdeutschland 1945-1955
Regisseur Christoph Boekel: „Der Film war seinerzeit (1981/82) vom Produzenten – der staatlichen Hochschule für Fernsehen und Film München und dem Bayerischen Kultusministerium – zur öffentlichen Vorführung nicht freigegeben worden. Nach einem Vergleich gab die HFF mir die Rechte an meinem Drehbuch zurück, sodass ein identischer Film mit dem Titel ‚Der längere Atem‘ gedreht werden konnte, der 1983 in die Kinos kam und dort unbeanstandet lief.“
Über den Regisseur:
Christoph Boekel, Jahrgang 1949, schloss an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film sein Studium ab. 1981-82 lehrte er an der Deutschen Film & Fernsehakademie Berlin und war Gründungsmitglied der „Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm“, in der er auch im Vorstand war. Seit 1987 hat er seinen zweiten Wohnsitz in Moskau. Zu seinen vielfach ausgezeichneten Arbeiten gehören u.a. „Der längere Atem“, für den er 1982 den Preis der Deutschen Filmkritik erhielt, „Die Spur des Vaters“, 1989 u.a. mit dem Preis der Marler Gruppe beim Adolf-Grimme-Preis und dem Egon-Erwin-Kisch-Preis bedacht, und „Verstrahlt und vergessen — Tschernobyl und die Folgen“ (2006). (Webseite Christoph Boekel)
Broschüre „Der längere Atem“ (PDF)
Interview mit Christoph Boekel von 2005 auf YouTube
Mit Hilfe von Fotos, Tonmaterial und Wochenschau-Ausschnitten beschreibt der Film die Vorgänge um die Wiederbewaffnung Westdeutschlands und die Proteste dagegen. Mit schlichten filmischen Mitteln ergreift die Dokumentation Partei und lieferte Anfang der 80er Jahre (NATO-Doppelbeschluß) einen aktuellen Beitrag zur Rüstungsdiskussion. Der Produzent des Films, die Münchner Hochschule für Fernsehen und Film, verbot die öffentliche Aufführung dieser Abschlußarbeit; zwei Jahre später drehten die Regisseure ihren Film noch einmal (vgl. „Der längere Atem“) (www.filmdienst.de)