Dozent: Helmut Donat
Termine: 6 x donnerstags
12.02., 19.02., 26.02., 05.03., 12.03., 19.03.2026
Zeit: 14:00 (s.t.) bis 15:30 Uhr, am 19.03.2026 von 15:00 (s.t.) bis 16:30 Uhr
Entgelt: 60,- Euro
Veranstaltungsart: hybrid, in Präsenz (Akademie, Raum B 0770) oder wahlweise Online-Teilnahme
Hinweis: Teilnehmerbegrenzung: 50 Personen in Präsenz
Liebe FreundInnen, sehr geehrte Damen und Herren,
seit vielen Jahrzehnten wird den Deutschen eine Tradition vorenthalten, mit der sich jede/r Deutsche/r auch nach „Auschwitz“ identifizieren könnte. Warum ist das so? Darum geht es u.a. in der Vorlesungsreihe „Große deutsche Pazifisten“, die von mir ab dem 12. Februar im Weiterbildungsprogramm der Bremer Universität angeboten wird. Mehr noch. Hätte man sich nach 1945 an jenen Persönlichkeiten, Gruppen, Organisationen und Kräften orientiert, die sich lange vor 1933 für ein von „Hakenkreuz und Stahlhelm“ befreites Deutschland eingesetzt haben, wir würden heute keine „identitäre“ Bewegung und auch keine AfD im Aufwind haben.
Geschichte ist nicht einfach vorbei; sie bleibt Gegenwart und ist immer dann wirkmächtig – wenn aus ihr nicht die richtigen Lehren gezogen oder diesen nur halbherzig gefolgt wird.
Wir beginnen am 12. Februar mit Hans Paasche (1881-1920), den der Bremer Historiker Karl Holl als einen der „gütigsten, menschlichsten Deutschen [des 20.] Jahrhunderts“ charakterisiert hat. Und mit Blick auf die deutsche Geschichte und die politischen Verformungen des deutschen Charakters bemerkte der Bremer Politiker Völker Kröning, dass Paasche „wie ein Edelstein … in einem Trümmerhaufen aufblüht“.
Rosa Luxemburg, Carl von Ossietzky, Friedrich Wilhelm Foerster und Kurt Tucholsky schätzten ihn: den Marineoffizier und streitbaren Pazifisten, den Großwildjäger und Naturschützer, Lebensreformer und Afrikareisenden Hans Paasche, dessen außergewöhnlichem Leben rechtsradikal gesinnte Reichswehrsoldaten am 21. Mai 1920 ein Ende setzten und „auf der Flucht erschossen…“ – eine Chiffre für rechte Lynchjustiz.
Er wandte sich gegen Hurrapatriotismus, Krieg und Militarismus, engagierte sich für Völkerversöhnung, bezeichnete den Ersten Weltkrieg als eine „Schändung des Evangeliums“ und engagierte sich für eine neue Welt mit den Worten ein: „Wer aber nicht auswandert aus seinem alten Menschen, der wird in keiner Steppe frei.“
Ich habe Hans Paasche Ende der 1970er Jahre wiederentdeckt, und meine Faszination für ihn ist ungebrochen. Er hat den Versuch unternommen, der deutschen Geschichte eine neue Richtung zu geben. Von ihm stammt der Satz: „Krieg ist etwas, das nicht mehr sein darf!“ Und – den heutigen „Kriegsertüchtigern“ ins Stammbuch geschrieben: „Kriegermut ist nicht groß, er ist Kadavergehorsam, Gedankenlosigkeit, Mangel an Phantasie, Gleichgültigkeit.“
Wäre Hans Paasches Vorschlägen in der Novemberrevolution 1918 gefolgt worden – er war Mitglied des Obersten Vollzugsrats der Arbeiter- und Soldatenräte – hätte es keinen Zweiten Weltkrieg gegeben…
Wer an der Veranstaltungsreihe teilnehmen möchte, sollte sich bitte in den nächsten Tagen anmelden. Es gibt auch die Möglichkeit, Online dabei zu sein. Weiteres dazu ist unter folgendem Link zu erfahren:
https://www.uni-bremen.de/senioren/vortragsprogramm/vortragsprogramm/ze-verfolgt-verdraengt-vergessen-grosse-deutsche-pazifisten
Sollten die Anmeldungsformalitäten Probleme bereiten, wird Jaroslav Wasik sicher gern behilflich sein (0421-218-61615).
Mit besten Grüßen,
Helmut Donat
PS.: Vorgestern hat die Präsentation des Buches „Friedenspolitik in Bremen“ in der hiesigen Stadtbibliothek stattgefunden. Ungeachtet der schwierigen Witterungsverhältnisse haben 150 Besucher daran teilgenommen – ein Beleg dafür, wie sehr die Bremer Friedensbewegung weiterhin in die Breite wirkt. Die Bremer Presse glänzte einmal mehr durch Abwesenheit. Warum auch einen Bremer „Friedenspfarrer“ wie Hartmut Drewes würdigen? Im Anhang ein Hinweis auf das neue Buch.