
Ein Dossier, veröffentlicht
von Arno Gottschalk
Der Ukraine-Krieg hat die Drohne zur Schlüsselwaffe des 21. Jahrhunderts gemacht. Ein neues Dossier des Erhard-Eppler-Kreises zeigt: Deutsche Rüstungsunternehmen sind mittendrin – als Lieferanten, als Lernende und als Profiteure.
Was 2022 als humanitäre Ertüchtigungshilfe begann, ist heute ein strukturiertes Koproduktionsverhältnis, in dem deutsche Firmen ukrainische Kampferfahrung mit eigener Fertigungskapazität verbinden – und die Bundeswehr beide Seiten als Modernisierungsimpuls nutzt.
Die wichtigsten Akteure: Quantum Systems aus Bayern lieferte bis April 2025 insgesamt 619 Aufklärungsdrohnen des Typs Vector an die Ukraine, betreibt dort ein Servicezentrum und wurde zuletzt mit über drei Milliarden Euro bewertet. Helsing aus München erhielt Aufträge für bis zu 10.000 KI-gestützte Kampfdrohnen – geriet aber ins Kreuzfeuer: Ukrainische Soldaten und ein internes Militärdokument sollen erhebliche Mängel bei Starttauglichkeit und Fronteinsatz belegt haben, was das Unternehmen bestreitet. Rheinmetall, mit einem Rekordauftragsbestand von 63,8 Milliarden Euro, spielt vor allem auf der Abwehrseite.
Das Dossier stellt unbequeme Fragen: Wer kontrolliert, ob KI-Drohnen wirklich unter menschlicher Aufsicht töten? Wem gehören die Kampfdaten aus der Ukraine? Und wie weit klafft die Lücke zwischen Unternehmens-PR und tatsächlicher Fronttauglichkeit?
Grundlegende Fragen der Doktrin sind noch unbeantwortet: Sollte jede Infanterie-Einheit Drohnen-Spezialisten haben? Sollten Loitering Munitions wie Artillerie behandelt werden?
Ein nüchternes, gut belegtes Stück Analyse – über eine Rüstungsdynamik, die weit über den Ukraine-Krieg hinausweist und bislang kaum parlamentarische Debatte gefunden hat.