
Teil 1: Gaza – ein Rückblick
Seit über 2 Jahren verfolge ich die Ereignisse in Westasien praktisch jeden Tag. Schon kurz nach dem 7. Oktober 2023 war erkennbar, was jetzt grausame Realität geworden ist, nämlich die Vertreibung und Vernichtung des palästinensischen Volkes. Bereits im Januar 2024 hat der Internationale Gerichtshof die Plausibilität eines Völkermordes anerkannt und wiederum der Internationale Strafgerichtshof hat Haftbefehle für Benjamin Netanjahu und weitere Personen ausgestellt.
Auch wenn wir hier von Völkermord und Kriegsverbrechen sprechen können, lassen wir die juristischen Aspekte einfach beiseite und sehen uns stattdessen an, was in den letzten beiden Jahren geschehen ist.
In Gaza sind 90% aller Gebäude zerstört. Zusammen mit der Infrastruktur, also Kraftwerke, Wasser- und Abwassersysteme, Elektrizität, Lebensmittelversorgung, landwirtschaftliche Flächen – letztlich alles, was ein Volk zum Leben und Überleben braucht.
In Gaza wurden alle 36 Krankenhäuser immer wieder bombardiert, Ärzte, medizinisches Personal und Hilfskräfte entführt, verletzt oder getötet. In den Kliniken haben IDF-Schergen medizinisches Gerät wiederholt gezielt unbrauchbar gemacht.
Schulen und Universitäten wurden bombardiert und teilweise vollständig zerstört. Bücher und andere Dokumente wurden verbrannt.
Nahezu alle Moscheen, Kirchen und andere religiöse Einrichtungen wurden angegriffen, geschändet oder zerstört. Das gleiche gilt für Friedhöfe und sogar für Massengräber. Gerade aktuell hat Israel auf der Suche nach der letzten toten Geisel 700 palästinensische Gräber geschändet.
Gezielt vernichtet wurden auch Gedenkstätten, Museen – kurz, alle Einrichtungen, die der Erinnerung der palästinensischen Geschichte dienen. Dokumente und kulturelle Schätze wurde geraubt oder vernichtet.
Die ständige und wiederholte Vertreibung der Bevölkerung von einem Ort zu einem anderen; der Verlust oder die Vernichtung aller Habseligkeiten haben zu der Entstehung von improvisierten Zeltstädten geführt, in denen die Menschen in unwürdige Lebensbedingungen gezwungen wurden. Zelte stehen unter Wasser, es gibt keinen Schutz, keine Kleidung; insbesondere Babys sterben fast täglich an Unterkühlung.
Damit die Welt über all das nichts erfährt, hat Israel bis heute über 250 Journalisten gezielt ermordet.
Dieses sind alles klare Kriterien für einen Völkermord. Israels Ziel war und ist es Gaza unbewohnbar zu machen und Bedingungen zu schaffen, unter denen das Überleben des palästinensischen Volkes verhindert werden soll. Das wird auch von israelischen Politikern offen geäußert.
Dieser israelische Staatsterror ignoriert alle Maßstäbe von Menschenrecht, Völkerrecht und sogar die der immer wieder Mantra-artig heruntergebeteten „regelbasierte Ordnung“.
Trotzdem habe ich noch Fragen, die darüber hinausgehen:
- Wer tötet ein wehrloses 5-jähriges Mädchen mit 335 Kugeln?
- Wer greift deutlich gekennzeichnete Ambulanzen an und ermordet das Rettungspersonal?
- Wer hetzt einen Hund auf ein autistisches Kind und lässt es dann einsam verbluten?
- Wer lockt tausende ausgehungerte Personen zu sogenannten „Verteilerstellen“ der Gaza Humanitarian Foundation und erschießt sie dann willkürlich?
- Wer bombardiert Zelte, im denen Intensivpatienten liegen und verbrennt sie bei lebendigem Leibe?
- Wer veranstaltet Schieß-Wettbewerbe, mit Kindern als Zielscheibe?
- Wer verkleidet sich als medizinisches Personal und erschießt schwer verletzte Patienten?
- Wer durchsucht einen LKW mit Hilfslieferungen und konfisziert gezielt alle Schmerz- und Betäubungsmittel – wohl wissend, dass deshalb Kindern Gliedmaßen ohne Betäubung amputiert werden?
- Wer foltert und vergewaltigt Geiseln und lässt sie in Konzentrationslagern sterben?
Die Liste dieser Fragen ist endlos und lässt sich zu einer einzigen Frage zusammenfassen: Wie entsteht dieses monströse Ausmaß an Menschenverachtung, an Grausamkeit, an Sadismus und wie muss man es bewerten? Wo verläuft die Grenze zwischen der kaltblütigen Durchführung dieses Massenmordes mit industriellen Mitteln einerseits und andererseits des Durchbrechens von ungebremstem Hass?
Mit ethisch moralischen Wertungen tue ich mich persönlich sehr schwer. Trotzdem kann ich nicht anders, als von dem, was in Gaza geschehen ist, als „dem Bösen“ zu sprechen, genauso wie ich es mit dem Blick auf den Holocaust und die anderen Genozide der Vergangenheit tue.
Hier hat sich die ungezügelte Aggression einer gesellschaftlichen Einheit namens Israel verselbstständigt und droht, unsere zivilisatorischen Grundfesten einzureißen. Das wollen wir nicht und deshalb stehen wir hier!
Free Palestine!
Teil 2: Gaza heute und in Zukunft
Als ich vor etwa einem Jahr die KI-generierte Fassung von der sogenannten „Gaza-Riviera“ das erste Mal gesehen habe, war ich fest davon überzeugt, es mit einer gelungenen Satire zu tun zu haben. So etwas hätte ich einem Martin Sonneborn, oder den Magazinen „Titanic“ oder „Postillion“ zugetraut, aber nicht den Protagonisten Donald Trump und Elon Musk – und schon gar nicht der Realität. Damit lag ich grundlegend falsch.
Seit dem 10. Oktober letzten Jahres gilt in Gaza ein „Waffenstillstand“. Diesen hat Israel über 1.300 mal gebrochen und seit dem fast 500 Menschen getötet und vermutlich doppelt so viele verwundet.
Nicht nur hierzulande scheint man einfach nicht in der Lage zu sein, zu begreifen, dass ein Waffenstillstand verdammt noch mal ein Waffenstillstand ist! Der gilt natürlich für beide Seiten, also auch für palästinensische Kämpfer wie die der Al Quassam-Brigaden.
Israel hat inzwischen mit der sogenannten „Yellow Line“ 60% der Fläche Gazas – Gaza ist in etwa so groß wie Bremen – von Palästinensern gesäubert. Das funktioniert in etwa so: Wenn man in Gaza morgens den Kopf aus seiner Unterkunft herausstreckt, kann es sein, dass dort ein riesiger gelber Betonklotz liegt. Zwischen diesem und dem nächsten Betonblock (von dem man möglicherweise gar nicht weiß, wo er liegt) gibt es eine unsichtbare virtuelle gelbe Linie. Wer auf der falschen Seite dieser Linie steht, wird erschossen. Nachts bewegt die IDF die gelben Blöcke immer weiter in noch bewohntes Gebiet und pfercht so die Bevölkerung auf immer engeres Terrain zusammen. Dort sterben jeden Tag weiter Menschen. Durch israelische Angriffe, durch Kälte, Hunger, Infektionen, Überflutungen und einstürzende Gebäude. Der Völkermord hat sich durch diese Bedingungen verselbstständigt und setzt sich fort – selbst wenn Israel seine Angriffe einstellen würde – was es nicht tut. Hinter der gelben Linie zerstört die IDF systematisch alle Gebäude. Aktuellen Berichte von „Drop Site News“ zufolge scheint die IDF die Gelbe Linie jetzt durch riesige Schutzwälle zu zementieren.
Während dies alles geschieht, kommt dieser unsägliche 20 Punkte Friedensplan von Donald Trump ins Spiel, den wir hier aus Zeitgründen nicht ausführlich besprechen können. Nur soviel: Darin wird palästinensische Souveränität mit keinem einzigen Wort erwähnt und natürlich hat auch kein einziger Palästinenser mitwirken dürfen.
Der Trump-Plan ist eine so eindeutige koloniale Aneignung, wie es sie seit der Übergabe des Kongo an König Leopold III nicht mehr gegeben hat. Diese Aussage stammt übrigens nicht von mir, sondern ist die Auffassung des amerikanischen Professors Norman Finkelstein.
Auf diesem angeblichen „Friedensplan“ baut der sogenannte „Masterplan“ auf, der von Jared Kushner jetzt auf dem WEF in Davos vorgestellt wurde. Ausführendes Organ ist das „Board of Peace“, der sogenannte Friedensrat.
Mit anderen Worten, ein zionistischer Immobilienmakler und Präsidenten-Schwiegersohn ohne jede politische Legitimation darf Gaza in ein biometrisches Konzentrationslager umwandeln, mit der Unterstützung oder Zustimmung derer, die sich in Trumps Friedensfonds mit einer Milliarde Dollar einkaufen.
Und wer sitzt da sonst noch in diesem „Friedensrat“? Der Kriegsverbrecher Tony Blair und Larry Ellison, der Tik Tok jetzt gerade unter israelische Kontrolle bringt. Auch Netanyahu wird dem Friedensrat angehören, allerdings kein einziger Palästinenser.
Das Logo des „Friedensrates“ ähnelt dem des UN-Sicherheitsrats – nur mit goldenen Flügeln. Will Trump tatsächlich dem UN-Sicherheitsrat Konkurrenz machen? Gaza als Modellbaukasten für eine biometrische Eine-Welt-Regierung?
Auch KI-Giganten wie Oracle und Palantir bekunden ihr Interesse, hier eine einheitliche und allumfassende Datenplattform zu schaffen, ein Experimentierfeld, ein gläsernes orwellianisches 1984, bargeldlos, vollständig digitalisiert, in dem die verbleibenden Palästinenser bestenfalls Versuchskaninchen sind, die bei maximaler Überwachung und durch kontrollierten Entzug von Nahrung und Wohnung auf neuzeitlichen Sklaven reduziert werden.
In den von Israel kontrollierten Bildungsinstitutionen sollen die neuen Sklaven „deradikalisiert“ werden, sprich Besatzung und Joch werden ideologisch normalisiert.
Auf den Ruinen der eingeebneten Stadt Rafah soll eine „Humanitäre Zone“ geschaffen werden, also ein kleines Konzentrationslager innerhalb eines größeren Konzentrationslagers – alles errichtet auf dem Schutt, der immer noch tausende Leichen begräbt und diese damit jeder Erinnerung beraubt!
Ein Friedensrat, geführt von internationalen Kriegsverbrechern, die für die Vernichtung Gazas, der Westbank, Jerusalems, großen Teilen Westasiens und den Flächenbrand in der ganzen Region verantwortlich sind.
Ich bitte meinen Zynismus zu entschuldigen, aber das ist wirklich so, als würden Hitler, Stalin und Pol Pot gemeinsam mit internationalem Finanzkapital und KI-Überwachungsgiganten ein Arbeitslager-Modell mit der Bezeichnung „Auschwitz 2.0“ designen. Ich kenne keinen dystopischen Thriller, der das noch toppen könnte!
Die Entwicklungen in Gaza können nicht isoliert betrachtet werden. Schon jetzt lässt sich weltweit die Auflösung rechtlicher Normen beobachten, sei es die Entführung Maduros, die Erschießungen amerikanischer Bürger durch ICE, die völkerrechtswidrige Bedrohung des Iran, die zunehmende Einschränkung der Meinungsfreiheit in „demokratischen Systemen“ bis hin zu repressiven Sanktionen hier in Europa – ich nenne nur als Beispiel Jaques Baud.
Das sind die Vorboten dessen, was uns erwartet, wenn wir uns nicht entschlossen dem entgegenstellen, was sich in Gaza zu entwickeln droht.
Es ist höchste Zeit!
High Time!
Free Palestine!