Faktenfreie Meinungsmache –
ein Leserbrief im Vorabdruck

Screenshot WK 27.03.2026

Wir dokumentieren einen Leserbrief an den Weserkurier als ‚Vorabdruck‘. Der Autor ist der Redaktion bekannt.

Der Weserkurier hat am 27.03.2026 einen Kommentar von Benjamin Lassiwe abgedruckt, der an Perfidie kaum noch zu überbieten ist. Dass die Linke ihren „aus den Studentengruppen an den Universitäten stammenden Nachwuchs“ nicht in Griff habe, der „immer stärker und immer einseitiger propalästinensisch unterwegs“ sei und „ganz bewusst die Nähe zu radikalen Unterstützergruppen der Hamas“ suche, entspricht dem üblichen und beinahe schon langweiligen Quark, der im Mainstream breitgetreten wird. Weit schlimmer ist sein Urteil über die Mehrheit der Palästinenserinnen und Palästinenser in Gaza, die seiner inkompetenten Meinung nach keine Solidarität verdienen. Hierzu mein Leserbrief, der hoffentlich bald veröffentlicht wird. Ich bin gespannt, mit welchen Veränderungen.

„Die Kampagne gegen die Linkspartei, der sich Benjamin Lassiwe mit seinem Kommentar vom 27. März nun auch noch angeschlossen hat, soll die Partei, die noch im letzten Bundestagswahlkampf hochgejubelt wurde, im Sinne der „deutschen Staatsraison“ disziplinieren und Israel als „Premiumpartner“ der deutschen Militarisierung etablieren.

Dass der Wortlaut des mit Zweidrittelmehrheit beschlossenen Papiers der niedersächsischen Linken nichts hergibt, was die aggressiv vorgetragenen Vorwürfe untermauern könnte, spielt in der Debatte längst keine Rolle mehr. Die dort enthaltene Formulierung, der „heute real existierende Zionismus“ zeichne sich „durch Rassismus, Besatzungspolitik und militärische Gewalt“ aus, ist zigtausendfach belegt, und die nicht nur in israelischen Regierungskreisen verbreiteten anti-arabischen „Vernichtungsfantasien“ kann verfolgen, wer sich die Mühe macht, die liberale israelische Zeitung Haaretz zu lesen, die eben diese Vernichtungsfantasien skandalisiert.

Benjamin Lassiwe scheint sich diese Mühe nicht zu machen, wenn er „bei aller Solidarität, die man mit den vermutlich wenigen, nicht mit der Hamas zusammenarbeitenden Menschen in Gaza haben kann“, die frei erfundene Behauptung streut, die große Mehrheit der in Gaza noch Lebenden arbeite mit der Hamas zusammen, verdiene also keine Solidarität.

Damit folgt er dem israelischen Präsidenten Isaac Herzog, der im Oktober 2023 meinte, es gebe keine unschuldigen Menschen in Gaza: „Es ist nicht wahr, dass die Zivilbevölkerung nichts weiß und nicht beteiligt ist. Das ist absolut nicht wahr. Sie hätten sich erheben können. Sie hätten gegen das böse Regime kämpfen können, das den Gazastreifen durch einen Staatsstreich übernommen hat“, behauptete er, wohl wissend, dass die von Katar mit Netanjahus Billigung finanzierte Hamas stets bereit und in der Lage war, jeden Versuch einer politischen Opposition gewaltsam zu unterdrücken.

Auch das von Lassiwe ins Feld geführte „Existenzrecht Israels“ kann beim besten Willen nicht verhandelt werden, weil das Völkerrecht ein solches „Existenzrecht“ gar nicht kennt. Israel ist völkerrechtlich anerkannt, obwohl es die UNO verachtet und das Völkerrecht mit Füßen tritt. Israel existiert, obwohl es die Existenz eines palästinensischen Staates seit Jahrzehnten zu verhindern weiß. Und es existiert in Grenzen, die seitens Israel nicht klar definiert werden, damit sie jederzeit durch Siedlungsbau und Annexion erweitert werden können.“

Kommentar zu “Faktenfreie Meinungsmache –
ein Leserbrief im Vorabdruck

  1. Hallo, liebe Friedensbewegte in Bremen und umzu! Ich möchte euch darauf hinweisen, dass es in Francesca Albaneses nächstem Bericht über die Rolle der Medien bei der Leugnung und Normalisierung des Völkermords an den Palästinensern geht. Sie sucht dafür Beispiele, insbesondere aus den ersten Monaten des Kriegs. Hier ihr Aufruf: https://www.ohchr.org/en/calls-for-input/2026/call-input-role-media-context-israels-policies-and-practices-toward
    Bitte schickt ihr eure Hinweise – vielen Dank!

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