Referent:innen: Gerhard Schäfer, Dr. Rolf Gössner, Cornelia Barth
Ort: Haus der Wissenschaft, Olbers-Saal
Zeit: Mittwoch, 3. Juni 2026, 19 Uhr
Veranstalter: Bremer Friedensforum
Der bundesdeutsche Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ (VS) befindet sich seit geraumer Zeit wieder im Aufwind. Und dies, obwohl seine 75-jährige VS-Geschichte auch als Geschichte von Skandalen und Bürgerrechtsverletzungen geschrieben werden kann. Weshalb also verlassen sich viele auch linksorientierte Menschen inzwischen wieder zunehmend auf den VS, obwohl sie ihn zuvor doch aus guten Gründen vehement kritisierten oder gar auflösen wollten? Oder hilft der VS im politischen Kampf gegen Rechts und die AfD etwa so sehr, dass er als unentbehrlich gilt? Ausgerechnet auf diesem Terrain, auf dem er mit seinem unkontrollierbaren und kriminellen V-Leute-System in den letzten Jahrzehnten grandios versagte…
Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte des VS von Gerhard Schäfer (Bremer Friedensforum) wird Rolf Gössner, Bremer Jurist, Publizist und Menschenrechtler, tiefere Einblicke bieten in seine eigenen Erfahrungen als Betroffener vier jahrzehntelanger geheimdienstlicher Ausforschung durch den Bundesverfassungsschutz. Eine Überwachungsgeschichte, die in einem 15-jährigen Gerichtsverfahren durch alle Instanzen endgültig für unverhältnismäßig und grundrechtswidrig erklärt worden ist (Ende 2020). Hieraus wird der Referent ein thesenartiges Fazit ziehen.
Daran anschließend wird Cornelia Barth (Bremer Friedensforum) kurz die neueren Fälle aufzeigen, in die der VS verstrickt ist – vom Bremer V-Mann-Skandal über den Ausschluss nominierter linker Buchhandlungen von der Verleihung des deutschen Buchhandlungspreises 2026 bis hin zu einer neuen Berufsverbotspolitik, die wieder vorwiegend gegen links wirkt.
In all diesen und weiteren Fällen spielen die VS-Ämter von Bund und Ländern eine prägende Rolle: als Auskunfts- und Bewertungsstellen für staatliche Behörden im Zuge von Gesinnungsüberprüfungen, deren oft ausschlaggebenden Bewertungen allzu oft aus Geheimhaltungsgründen den Betroffenen vorenthalten werden. Hier zeigen sich vermehrt Konturen eines neuen exekutiven Autoritarismus und eines rechten Kulturkampfes.
Es wird in der Veranstaltung deshalb auch um die zentrale Frage gehen, inwieweit solche Inlandsgeheimdienste wie die VS-Ämter des Bundes und der Länder mit ihren kaum kontrollierbaren geheimen Strukturen, Mitteln und Methoden überhaupt mit Verfassung und Demokratie vereinbar sind. Diese Thematik wollen wir im Rahmen einer moderierten Diskussion gemeinsam erörtern.
Ansprechpartnerin zur Veranstaltung: Cornelia Barth, Tel. 0162 43 99 833