Gedenkkundgebung für die getöteten Journalisten

Wir dokumentieren die Rede von Barbara Heller, gehalten auf der Gedenkkundgebung am 30.4.26 in Bremen.

Im Mittelpunkt der heutigen Kundgebung stehen die Morde, die von den israelischen Streitkräften an Journalisten in Gaza, im Westjordanland und im Libanon begangen werden.

Ich will einen Blick auf die Arbeit deutscher Journalisten werfen. Berichten sie überhaupt und ggf. angemessen über diese Verbrechen?

Der Spiegel-Herausgeber Augstein hatte gefordert: Sagen, was ist!

Journalistische Berufsethik fordert:

  • Wahrhaftigkeit
  • Sorgfalt bei Recherche und Dokumentation
  • Sachlichkeit bei der Berichterstattung
  • Unparteilichkeit im Konfliktfall
  • Argumentation statt Meinungsinflation
  • Ausgewogenheit, Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit

Werden diese Ansprüche von Journalistinnen und Journalisten in Bezug auf Aktivitäten der Palästina-Solidarität in Bremen umgesetzt?
Beispiele:

  • Mehr als 110 Mal haben die Demonstrationen der Palästinensischen Gemeinde in Bremen stattgefunden. Wichtige Vertreter der Palästina-Solidarität haben bei diesen Aktionen gesprochen. Ich erinnere mich nicht, dass der WK ein einziges Mal die Gelegenheit genutzt hat, Interviews mit den entsprechenden Persönlichkeiten zu führen, bzw. Teile ihrer Aussagen zu dokumentieren.
  • Zweimal haben verschiedene Organisationen der Palästina-Solidarität auf dem Marktplatz 48 Stunden lang die Namen getöteter Babys, Kinder und Jugendlicher vorgelesen. Weder WK noch buten&binnen haben darüber berichtet. Obwohl b&b auf dem Marktplatz war. Ihr einziges Interesse war, ausführlichst über das Aufstellen des Weihnachtsbaumes zu berichten. Bei allen Filmaufnahmen wurde sorgfältig darauf geachtet, dass weder die Palästina-Fahnen noch die Totenbilder zu sehen waren.
  • Als auf dem Marktplatz Tausende Schuhe aufgestellt wurden als Symbole für Getötete war zwar ein Journalist vom Weser-Kurier anwesend, berichtete aber falsch. Ich hatte in einem Redebeitrag gesagt, dass das palästinensische Volk das Recht habe, sich gegen die Besatzung zu wehren, dass das Völkerrecht verlange, dass sich alle in militärischen Auseinandersetzungen daran halten müssten, Zivilisten zu schützen. Meine Anteilnahme gelte allen Zivilisten, die in diesem Krieg ums Leben kämen. Der WK berichtete, es sei nur um die palästinensischen Opfer gegangen. Auf meinen Protestbrief an den Journalisten bekam ich keine Antwort.
  • Bei der Abschlusskundgebung des diesjährigen Ostermarsches sprach Ebu Kilinc von der palästinensischen Gemeinde. Der WK berichtet überhaupt nicht vom Ostermarsch, an dem 1500 Menschen teilnahmen. b&b brachte zwar einen insgesamt positiven Bericht, schenkte dem Beitrag zu Palästina aber keine Beachtung. Ebenso wenig dem Beitrag zu Cuba.
    Warum ist das so, dass ein Großteil der bundesdeutschen Journalisten gegen die journalistischen Prinzipien verstößt? Nicht nur in Bremen, sondern bundesweit.

Außer Einsparungen bei den Medien, also kein Geld und keine Zeit für eigene Recherchen, kommt der gesellschaftliche Druck dazu. Interne sowie externe Einflussnahme beschneiden die journalistische Unabhängigkeit.

Wenn jemand trotzdem berichtet, droht ihm die Existenzvernichtung, wie es im Moment dem deutsch.- türkischen Journalisten Hüseyin Dogru ergeht.

Von Solidarität vonseiten der journalistischen Kollegenschaft ist wenig oder nichts zu hören.

Kriegstüchtigkeit hat auch Folgen für den Journalismus. Die Wahrheit stirbt als Erstes.

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