
Das Dogma vom Völkermord am europäischen Judentum als singuläres Menschheitsverbrechen ist ein hohes deutsches Gut, das mit Ausnahme der AfD – wir denken an Alexander Gauland und seinen „Vogelschiss“ – von allen im Bundestag vertretenen Parteien, von der Springerpresse und anderen Medienkonzernen, vom Zentralrat der Juden in Deutschland, von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft DIG und vom Rest der sogenannten „Antideutschen“ mit Zähnen und Klauen verteidigt wird. Seit 2008 mit dem Begriff der „deutschen Staatsraison“ angereichert, dient es dazu, das militärpolitische Bündnis Deutschlands mit Israel ideologisch abzusichern und jede Kritik an der israelischen Kriegs- und Besatzungspolitik zu unterbinden.
Die Singularität wird mit dem Argument begründet, der „Holocaust“ genannte Völkermord sei der erste und bisher einzige Versuch gewesen, im Rahmen einer „industriell“ und bürokratisch organisierten Vernichtung ein ganzes Volk ausschließlich aufgrund seiner Herkunft auszulöschen. Mal abgesehen davon, dass die Massentötung durch Zyklon B mit industrieller Warenproduktion nicht vergleichbar ist: Mit etwa 2,5 Millionen betraf diese Mordmethode weniger als die Hälfte der etwa 6 Millionen Opfer der Shoa. Die Mehrheit wurde erschossen und verbrannt, starb an Entkräftung oder verhungerte.
- Wie die Volksgruppen der Herero und Nama im damaligen Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, deren Vernichtung zwar deutsch-offiziell als Völkermord eingestuft wird, aber nicht als „Zivilisationsbruch“ gilt, weil sie vergleichsweise unbürokratisch und mit klassischen Mordmethoden verübt wurde, und zwar nicht wie im „Holocaust“ von Europäern an Europäern, sondern von einer europäischen Armee an einer kolonisierten afrikanischen Bevölkerung.
- Wie die 15 Millionen sowjetischen Zivilisten, die durch Wehrmacht, SS und Polizei vernichtet wurden, was von der Bundesrepublik Deutschland aber nicht als separater, eigenständiger Völkermord an der slawischen Bevölkerung anerkannt wird, obwohl das entscheidende Kriterium der UN-Völkermordkonvention, nämlich „die Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“, von der historischen Forschung längst nachgewiesen wurde.
Dass auch die israelische Armee im Krieg gegen die palästinensische Bevölkerung des Gazastreifens das Ziel verfolgt, „eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“, wird von der internationalen Völkermordforschung kaum noch bestritten. So verabschiedete die Internationale Vereinigung der Völkermordforscher (IAGS) am 31. August 2025 mit einer Mehrheit von 86% eine Resolution, in der festgehalten wird, dass die israelische Politik und das Vorgehen in Gaza die rechtliche Definition eines Völkermordes nach der UN-Völkermordkonvention erfüllen.
Dennoch wird die eingangs erwähnte militärpolitische Zusammenarbeit Deutschlands mit Israel stetig ausgebaut. Erst am 5. Mai 2026 wurde der israelische Außenminister Gideon Saar in Berlin von Bundesaußenminister Johann Wadephul als ein „Freund“ empfangen, der es sich nicht nehmen ließ, die Vertiefung der deutsch-israelischen Kooperation „in den Bereichen Verteidigung, Sicherheit, Zusammenarbeit der Nachrichtendienste, wirtschaftliche Kompatibilität und Terrorismusbekämpfung“ zu preisen, was Wadephul mit einer „Demut“ zur Kenntnis nahm, die er an anderer Stelle gern vermissen lässt. Etwa dann, wenn er behauptet, Russland werde „immer ein Feind und eine Gefahr für unsere europäische Sicherheit sein“.
Mehr dazu unter https://www.jungewelt.de/artikel/522160.israels-au%C3%9Fenminister-in-berlin-dem%C3%BCtig-vor-israels-waffen.html