Eigentlich sollte das Schiff Handala II in Bremerhaven festmachen und dort über die Palästina-Solidarität und speziell über die letzte Flottille berichten. Die Bremerhavener Friedensinitiative „Mut zum Frieden“ hatte bereits ein Programm vor Ort geplant. Aber aus technischen Gründen konnte die Handala II nicht kommen. Kurzerhand wurde von einer Unterstützergruppe rund um die Seeds neu geplant und es konnte in Bremen in der Zionsgemeinde eine eindrucksvolle Veranstaltung mit fünf Mitgliedern der Crew stattfinden. Ein großer Dank an die Zionsgemeinde, die so kurzfristig den Raum zur Verfügung stellte.
Weit über 100 BesucherInnen hörten die erschütternden Berichte der Flotille-TeilnehmerInnen. Die Zusammensetzung auf dem Podium zeigte gut die Breite der Solidaritätsbewegung: ein Teilnehmer aus der BRD, zwei Teilnehmerinnen aus Norwegen, eine Teilnehmerin aus Israel und ein Teilnehmer aus Palästina. Alle berichteten von der Kaperung ihres Schiffes, von dem Terror der israelischen Soldaten bei der Gefangennahme. Die Crewmitglieder wurden getrennt und in verschiedene israelische Gefängnisse verbracht. Drohungen, Psychoterror, Folter und körperliche Gewalt haben alle Gefangenen mehr oder weniger erlebt. Dem Teilnehmer aus Deutschland wurde der Fuß durch Tritte und Prügel zertrümmert, eine medizinische Behandlung wurde lange verweigert. Ein israelischer Soldat verhöhnte den deutschen Gefangenen und bedankte sich für die deutsche Waffenhilfe. Eine Teilnehmerin aus Norwegen berichtete, dass sie sich seit Jahrzehnten an Solidaritätsaktionen beteiligt habe. Die Teilnehmerin aus Israel berichtete von Kontakten in die Niederlande und betonte die Notwendigkeit der Vernetzung auch mit anderen sozialen Bewegungen.
Die Berichte der Crewmitglieder und weitere Eindrücke von der Veranstaltung sind in diesem Video dokumentiert:
In israelischen Gefängnissen – Crewmitglieder berichten
Obwohl sich im Saal ein teilweise gut informiertes Publikum versammelt hatte, war es doch eine neue Erfahrung, so konkret von den israelischen Verbrechen gegen Menschlichkeit und Menschenwürde zu hören. Erschütterung über die Berichte, aber auch größter Respekt und Bewunderung für den Mut und das Durchhaltevermögen der Flotille-Crew wurden vielfach zum Ausdruck gebracht.
Raum für Rückfragen, ein Vortrag über die Kooperation der deutschen und der Bremer Rüstungsindustrie mit Israel und eine Bilderausstellung von einem palästinensischen Maler, die den alltäglichen Überlebenskampf in Gaza zeigt, rundeten die Veranstaltung ab.
Die mutmachende Erfahrung von internationaler Solidarität endete mit vielen gemeinsamen Gesprächen, neuen Kontakten, Ideen für die Weiterarbeit und leckerem Essen.
Einen weiteren persönlichen Einblick gibt das folgende Interview der NachDenkSeiten mit dem Street-Art-Künstler Engin Dogan.
Normalerweise ist der Street-Art-Künstler Engin Dogan in Aschaffenburg und anderswo im Freien unterwegs, um private und öffentliche Räume zu bemalen. Doch die Zeiten sind nicht mehr „normal“, weshalb er von April bis Mai 2026 an der Global Sumud Flotilla teilgenommen hat, um gemeinsam mit 400 Aktivisten per Segelboot über das Mittelmeer nach Gaza zu gelangen und Hilfsgüter zu verteilen. Dass sie vom israelischen Militär in internationalen Gewässern überfallen und nach Israel verschleppt wurden, wissen wir bereits. Was genau ihnen an Brutalität auf hoher See und später in den israelischen Gefängnissen widerfuhr, können wir seinem Bericht entnehmen. Bewundernswert, dass er nach diesen Erlebnissen noch Bereitschaft zeigt, erneut auf ein Schiff der Global Sumud Flotilla zu steigen, um die israelische Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen.
