Friedensdenkschrift der EKD – eine Replik

Wir dokumentieren eine Replik:


Sehr geehrte Damen und Herren der „friedensstiftenden“ Glaubensgemeinschaft.

In Ihrer aufschlussreichen Denkschrift* zum Verhältnis von Frieden und Krieg, haben Sie sich nun endgültig verabschiedet vom Friedensgebot der Kirche.

Die UN-Charta mit den verankerten Völker- und Menschenrechten und  Teile des deutschen Grundgesetzes werden durch den Inhalt der „Denkschrift“ ad absurdum geführt.

In diesem Sinne lassen sich selbst bei häufiger Wiederholung des Begriffs „gerechter Frieden“, keine ehrlichen Ansätze für die Notwendigkeit von Verhandlungslösungen finden. Die „Denkschrift“ ist Ausdruck des Auftrags einer Politik, die nur noch in Kriegskategorien denkt und selbst den Einsatz von Nuklearwaffen nicht ausschließt.

Die Kirche macht sich somit zum Erfüllungsgehilfen einer unverantwortlichen und menschenverachtenden Kriegspolitik, ganz im Sinne des geforderten Mentalitätswandels unserer „Sicherheitspolitiker“ von „schwarz“ über „rot“ bis „olivgrün“. Der Beifall der entsprechenden Politiker ist Ihnen sicher. Vielleicht lässt sich unter dem Einfluss evangelikaler Mitstreiter an der Denkschrift auch eine neue Kreuzzugmentalität an die Schäfchen der gläubigen Gemeinschaft vermitteln.

Ihre Denkschrift atmet den kriegerischen Geist von Freiheit „westlicher Kulturwerte“. Im Sinne der „Denkschrift“ wird der Einsatz von Gewalt und das Morden zur Verteidigung dieser Freiheit gerechtfertigt. Es entsteht ein Bild, bei dem die unter Kriegen leidenden Menschen, je nach Kulturkreis und geografischer Lage unterschiedlich bewertet werden. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine dürfte dabei nicht der alleinige Maßstab sein für das „Böse“.

Die völkerrechtswidrigen Kriege der USA und Israels gegen den Iran, die Vertreibung und Ermordung der Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen werden im Sinne der Staatsräson ausgeklammert oder salbungsvoll umschrieben. Was ist der Grund für diese Differenzierung? Sind die in diesen Regionen leidgeprüften Menschen weniger wert als Deutsche, Ukrainer und Russen?

Es gäbe noch viel zu dieser Denkschrift zu sagen, die im Übrigen an die finsteren Zeiten zur mentalen Vorbereitung des 2. Weltkrieges erinnert. Die Rolle der Kirchen ist offensichtlich ganz staatstragend auf dem Gebiet der Kriegspropaganda angekommen. Mit diesem, sich schon seit dem Kirchentag abzeichnenden Kurswechsel steigt sicher auch der Bedarf an Seelsorgern für Beratungsgespräche traumatisierter Soldaten und von Familienangehörigen getöteter Helden. Neue Mitglieder wird die Kirche mit ihrem staatstragenden Kriegskurs vermutlich nicht gewinnen.

Ein höherer Bedarf an tröstlichen Worten durch kirchliches Fachpersonal für die Angehörigen auf den Gräberfeldern ist gewährleistet. Vielleicht begegnen wir uns wieder am Ende eines Nuklearkonflikts und auf dem Weg zum „Nichts“ vor dem Gerichtssaal Gottes. Die Kirchenvorstände, die verantwortlichen Politiker und die zum Schlachtfeld geleitete Schafsherde werden dann vereint sein.

Gott zum Gruße und Helm ab zum Gebet.

Gerhard Schneider v.d.Fecht

P. S.: Erfreulich wäre es, wenn meine bescheidene Replik auf die „Denkschrift“ auch bei der EKD-Vorsitzenden Frau Fehrs, ihren Mitstreiterinnen und der Kirchenleitung der bremischen evangelischen Kirche, die Schwelle zu einem Nachdenkprozess überschreiten würde.


* Hier für Interessierte die Denkschrift zum Nachlesen (Download PDF)

6 Kommentare zu “Friedensdenkschrift der EKD – eine Replik

  1. Ach, wie ist zur Hure geworden die treue Stadt. / Die voll des Rechts war, in der Gerechtigkeit die Nacht verbrachte – / und jetzt Mörder!
    Jesaja 1, 21

  2. So ist es wohl, wie Herr Schneider v.d. Fecht in seiner Replik treffend beschreibt. ich kann den Ausführungen nur zustimmen. Allerdings fehlt mir der Hinweis, dass es innerhalb der evangelischen Kirche christlich aktive Friedensgruppierungen gibt, die mit dieser Denkschrift nicht einverstanden sind und dagegen aufbegehren. Bundesweit ! Zum Beispiel auch in Bremer Gemeinden innerhalb der BEK wie der Friedensinitiative von ULF. Ich selbst arbeite in der Initiative mit und stehe gleichzeitig seit Jahren jeden Donnerstag von 17-18:00 , organisiert durch das Bremer Friedensforum ,zur Friedensmahnwache auf dem Bremer Marktplatz. Dazu sind alle, die sich der Friedensarbeit verpflichtet fühlen eingeladen.
    Am kommenden Donnerstag, den 16.04.2026 um 18:00, (im Domkapitelsaal – Domkapitel 8) wird es mit einem der Autoren der Denkschrift , Prof. Reiner Anselm, es eine öffentliche Veranstaltung mit Diskussionsmöglichkeiten geben. Eine Veranstaltung die jedem zugänglich ist.

  3. "religion ist opium fürs volk" haben wir schon in den 1970er jahren beim"kommunistischen bund westdeutschlands"(KBW)gewußt und den "wachtürmen",die ich meistens mit ihrem aufsteller im hauptbahnhof sehe(warum dürfen die sowas und wenn linke mal was im bahnhof veranstalten wollten,gabs ne riesenaufregerei und es hat dann auch nix stattfinden können!),setze ich meistens hinzu "aber opium törnt besser!"(hab ich mit mir sagen lassen!)

  4. Diese Replik auf die "Denkschrift" – treffender: "Nicht-Nachdenkschrift" – sollte als Flugblatt vor den sonntäglichen Gottesdiensten der evangelischen Kirchen verteilt werden.

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