Charlotte Wiedemann (TAZ) fragt:
„Haben wir verloren?“

„Die Bewegung für palästinensische Rechte und Selbstbestimmung hat schmerzlich wenig erreicht. Darüber zu sprechen, ist nicht das Gleiche wie Resignation.

Haben wir verloren? Die Frage mag anmaßend klingen. Denn wer, bitteschön, soll dieses Wir sein? Ich meine alle, die sich in den vergangenen drei Jahren bemüht haben, palästinensisches Leid in Deutschland sichtbarer zu machen, in der Hoffnung, dies werde Folgen haben, humanitär und politisch.“

Link zum ganzen Beitrag: https://taz.de/Krieg-in-Nahost/!6203427/

Charlotte Wiedemann ist zu danken, dass sie immer wieder auf die Situation in Gaza hinweist. Eine Reihe von uns kennt die Schwierigkeiten, die sie benennt. Weiter in der Palästina-Solidarität aktiv zu bleiben, auch wenn wir – angesichts der täglichen israelischen Verbrechen – so wenig an Hilfe und Unterstützung durchsetzen können, das kostet viel Kraft und übersteigt auch manchmal die persönlichen Möglichkeiten. Uns immer wieder zu fragen, warum wir so wenig erreichen, ist notwendig. Verlieren wir nicht aus dem Blick, was wir anders oder besser machen können. Aber machen wir uns auch bewusst, wie schwer die objektiven Bedingungen für Palästina-Solidarität aufgrund der deutschen Geschichte in unserem Land sind. Und vergessen wir nicht, was uns Kraft gibt. Die überwiegend positiven Reaktionen, die wir bei den Palästina-Mahnwachen erleben, sind eine Ermutigung.

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Ein Kommentar zu “Charlotte Wiedemann (TAZ) fragt:
„Haben wir verloren?“

  1. „Haben wir verloren?“, fragt Charlotte Wiedemann am 12.08.2026 in der Taz, um sogleich das Anmaßende ihrer Wir-Verallgemeinerung mit dem Hinweis zu entkräften, es könne „anmaßend klingen“, weshalb sie ein paar Zeilen weiter den Hinweis nachschiebt, niemand solle sich „zwangsintegriert fühlen.“

    Wer diese mehrfache Anmaßung geschluckt hat, liest einen Text, in dem nichts falsch und alles richtig ist, zugleich aber viel Aufwand betrieben wird, die eigene Scham „als Deutsche, als Europäerin“ – darunter machen wir es nicht – zu pflegen und den Vorwurf zu entkräften, ihre „nüchterne Bilanz“ des Scheiterns sei „Defätismus.“

    Den habe ich nun gerade nicht erkennen können, eher eine unangenehme Selbstverliebtheit ins metaphorische Vokabular, mit dem „jeder neue Appell, Siedlerterror und Armeegewalt im Westjordanland Einhalt zu gebieten, (…) wie Flaschenpost in ein Meer der Teilnahmslosigkeit“ fällt. Ein schönes Bild, zu schön für die Verzweiflung, die es transportieren soll. Ob es geeignet ist, dieselbe auch zu überwinden, mag jeder selbst entscheiden.

    Allein die Frage, ob „wir verloren“ haben, setzt ein Ziel voraus, ein Wissen darum, was überhaupt gewonnen werden kann. Gegen eine Bundesregierung, die das klare Ziel hat, mit Israel als „Premiumpartner“ auch Premiumpartner Israels zu werden und – gar nicht so unrealistisch – die schwächelnde Supermacht USA in Westasien in Teilen zu ersetzen. Wer solche Ziele hat, lässt sich nicht von einer Bewegung beirren, die nicht erst seit Oktober 2023 als „antisemitisch“ stigmatisiert, ausgegrenzt und juristisch verfolgt wird.

    Vor diesem Hintergrund erübrigt sich die Frage, ob „wir verloren“ oder gewonnen haben. „Wir haben“, schreibt Charlotte Wiedemann vollkommen zu Recht, „das gesellschaftliche Bewusstsein verändern können.“ Und obwohl wir „das Handeln der politischen Klasse“ (CW) nicht verändern konnten, gehen wir nicht als Verlierer mit gesenktem Kopf vom Platz. Denn wie so oft geht es auch hier um „Flüchten oder standhalten“ (Horst-Eberhard Richter). Ich hoffe, wir halten stand.

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